Reminiszenzen zur Vita von Fritz Bühler und zum
«Graphischen Atelier Fritz Bühler, Basel»


Fritz Bühler wurde als einziger Sohn eines Unternehmers (Geschäftsbücherfabrik) am 24. Juni 1909 in Basel geboren. Zu einer Zeit, da der Beruf des Graphikers selbst im Druckereigewerbe noch wenig etabliert war, wollte er gegen den Willen seines Vaters, der ihn eigentlich lieber als Nachfloger seiner Firma gesehen hätte, einen so neuartigen Beruf, eben den des «Graphikers», ergreifen. So zog er 1925 mit seinem Freund Walter Staehelin, später Chefredaktor bei den Basler Nachrichten, nach Berlin, wo er bei Prof. Oskar H. W. Hadank (1889-1965) an der «Hochschule für Freie und Angewandte Kunst» eine adäquate künstlerische Ausbildung erhielt.

Während eines weiterführenden Studienaufenthaltes in Paris erhielt er mit zwanzig Jahren die Zusage für seine erste Stelle als Graphiker in der Publicitas AG, Basel. 1933 verliess er jedoch bereits diese Arbeitsstelle, um ein eigenes graphisches Atelier zu eröffnen. 1934 heiratete er Betty Breiler und baute mit ihr aus kleinen Anfängen die Firma weiter aus.

1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und so musste er seine junge Firma verlassen und wegen der allgemein angeordneten Mobilmachung in den Militärdienst einrücken. In dieser Zeit wuchs gleichwohl seine Familie (1939 Simone, 1944 Jacqueline). 1947 entwickelte sich sein Geschäft derart, dass er sich nach neuen Geschäftsräumen umsehen musste, die er am Leonhardsgraben in Basel fand. Kurz darauf, ebenfalls 1947, erwarb er die Liegenschaft St. Albananlage 64, die er bis zu seinen Tode am 12. April 1963 weiter ausbaute und verschönerte.

Wie kam es, dass auch ich während 13 Jahren in einer so prächtigen Geschäftsvilla (St. Albanalage 64, Basel) täglich ein- und ausgehen konnte?

Am 9. Mai 1930 in Muri AG CH geboren, besuchte ich nach dem Abschluss der Grundschulen 1946-1950 die Kantonale Kunstgewerbeschule Luzern KKGSL (später Hochschule Luzern / Design+Kunst, HSLU). Dabei erhielt ich den vielseitigen Unterricht in Anatomie, Figürlichem Zeichnen und in Kunst-
geschichte bei Max von Moss (1903-1979), der mir für meine später autodidaktisch weitergeführten Studien viele wertvolle Anregungen gab. Diese Ausbildung schloss ich übrigens mit einem Graphiker-Fähigkeitszeugnis (Durchschnittsnote: 1.0) ab. Ein Dokument, das ich ironischerweise während meiner ganzen späteren Tätigkeit überhaupt nie vorzeigen durfte!

Danach erhielt ich meine erste Grafikerstelle im «Graphischen Atelier Kaltenbach & Zbinden, Luzern». Fritz Kaltenbach (1914-1989), ein echter Basler «Beppi», hatte aber bald die famose Idee, – sein Atelier war offenbar überdotiert – mich an seinen Berufskollegen Fritz Bühler, nach Basel weiter zu reichen.

Fritz Bühler gestattete mir nach mehreren Anfragen unerwarteterweise, ihm meine Arbeitsproben einzusenden und beurteilte sie postwendend mit «ausgezeichnet». So konnte ich nach einer zweijährigen Bewerbungszeit im November 1952 in dem schon damals renommierten «Graphischen Atelier Fritz Bühler, Basel» endlich die langersehnte Arbeitsstelle antreten. Ich war hocherfreut, denn Basel galt zu jener Zeit zurecht als «Mekka der Werbegraphik» (Niklaus Stöcklin, Gebr. Eidenbenz, Donald Brun, Herbert Leupin). Dabei muss man jedoch wissen, dass an den Erfolgen dieser grossen Grafikernamen oft auch ungenannte Könner wie Entwerfer, Zeichner, Retuscheure, Aerographen, sogenannte Atelier-Gnomen beteiligt waren.

Bereits in den ersten acht Jahren meiner Mitarbeit in diesem für die Schweiz damals einzigartigen graphischen Atelier – jedem Mitarbeiter stand ein eigener Raum mit persönlicher Ausstattung zur Verfügung – etablierte ich mich dank meiner vielseitigen Ausbildung in der Kunstgewerbeschule Luzern bereits als Entwerfer. So fiel es mir leicht, meinen eigenen kreativen Beitrag an der «Peter Stuyvesant»-Werbung (Anzeigen s/w, farbig) zu leisten, was mir von Fritz Bühler in diversen Schreiben bestätigt wurde.

Leider nahm diese idyllische Epoche ein abruptes Ende. Denn am 12. April 1963 unternahm die ganze Familie Bühler einen Wochenendausflug ins nahe Elsass, wobei Fritz Bühler bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurde und auf der Unfallstelle starb.

Wie andere Mitarbeiter versuchte auch ich, in diesem Betrieb weiterzuarbeiten. Die Führungslosigkeit und die damit einhergehende Desorientierung veranlassten mich, dieses schöne Haus Ende September 1964 zu verlassen. Auch wenn in einem Antwortschreiben auf meine schriftliche Kündigung meine kreative Mitarbeit ausnehmend gewürdigt und mein Weggang sehr bedauert wurde.

Obwohl nun bar aller Optionen, versuchte ich eine eigene Tätigkeit ebenfalls in Basel aufzubauen. Was mir mit der ein Jahr später überraschend ermöglichten Teilnahme an einem Wettbwerb für die Gestaltung einer CH-Briefmarke (Pro Natura, Eisvogel) recht gut gelang. In der Folge (1964-1995) nahm ich neben meinen anderweitigen werbegraphischen Arbeiten an insgesamt dreissig Briefmarkenwettbewerben teil, wobei ich bei 14 Teilnahmen reüssierte – auch ich hatte kein Erfolgsabo! – und in 16 Fällen erfolglos war.

Seit 2001 bin ich nach ca. «50 Jahren Basel» nach Luzern zurückgekehrt, wo ich mich nach ein paar Jahren wieder recht wohl fühlte.


Es sind offenbar immer noch verschiedene Schreibweisen der folgenden Wörter im Umlauf, wie zum Beispiel:
Graphiker bzw. Grafiker sowie Cigaretten bzw. Zigaretten.

Ich habe mich, je nach dem Zeitraum in dem sich ein Vorgang abspielte oder eine Firma bestand, an die eine oder andere Version gehalten.